Das iPad ist für viele zum unverzichtbaren Begleiter geworden – ob zum Arbeiten, Streamen oder Surfen. Doch während wir die Vorzüge des Tablets genießen, sammeln Apps und Websites fleißig Daten über unser Verhalten. Die gute Nachricht: Apple hat in den letzten Jahren massive Schritte unternommen, um die Privatsphäre seiner Nutzer zu schützen. Die schlechte Nachricht: Viele dieser Funktionen müssen erst richtig konfiguriert werden, um ihr volles Potenzial zu entfalten. Wer sein iPad wirklich sicher machen möchte, sollte ein paar zentrale Einstellungen kennen und anpassen.
Safari zum datenschutzfreundlichen Browser machen
Der hauseigene Browser Safari bietet eine mächtige Funktion, die viele übersehen: den erweiterten Datenschutz. Diese Option verhindert, dass Werbenetzwerke und Datensammler dein Surfverhalten über verschiedene Websites hinweg verfolgen. Das funktioniert durch intelligentes Blockieren von Tracking-Cookies und anderen Verfolgungstechnologien.
Um diese Funktion zu aktivieren, öffnest du die Einstellungen-App auf deinem iPad und navigierst zu Safari. Dort findest du den Punkt Cross-Site-Tracking verhindern. Aktiviere diese Option unbedingt, falls sie nicht bereits standardmäßig aktiviert ist. Safari zeigt dir dann sogar in der Adressleiste an, wie viele Tracker auf einer Website blockiert wurden – ein aufschlussreicher Blick hinter die Kulissen des modernen Internets. Du kannst dir den Datenschutzbericht ansehen, um eine Übersicht über die Tracker zu erhalten, die durch die Funktion Intelligentes Verhindern von Tracking auf der aktuell von dir besuchten Webseite erkannt und abgewehrt wurden.
Ortungsdienste intelligent verwalten
Standortdaten gehören zu den sensibelsten Informationen auf deinem Gerät. Sie verraten nicht nur, wo du gerade bist, sondern auch deine täglichen Routinen, Gewohnheiten und Vorlieben. Während manche Apps wie Karten oder Wetter-Apps legitime Gründe für den Standortzugriff haben, brauchen viele andere diese Information eigentlich nicht.
Der Weg führt über Einstellungen, dann Datenschutz und Sicherheit, und dort zu Ortungsdienste. Hier siehst du eine Liste aller Apps, die Zugriff auf deinen Standort angefordert haben. Das Interessante: Du kannst für jede App individuell festlegen, wann und ob sie auf den Standort zugreifen darf.
Ein kritischer Blick lohnt sich besonders bei Social-Media-Apps, Spielen oder Shopping-Anwendungen. Braucht deine Fitness-App wirklich dauerhaft deinen Standort, oder reicht der Zugriff nur beim Verwenden? Oftmals ist die Antwort eindeutig, und du kannst so erheblich deine Privatsphäre schützen, ohne auf Funktionalität zu verzichten.
Biometrische Sicherheit und Passcodes richtig einsetzen
Der erste Verteidigungswall deines iPads ist der Sperrbildschirm. Ein simpler vierstelliger Code mag bequem sein, bietet aber nur minimalen Schutz. Moderne iPads unterstützen Face ID oder Touch ID – biometrische Verfahren, die Komfort und Sicherheit elegant verbinden.
Unter Einstellungen findest du Face ID und Code oder Touch ID und Code bei älteren Modellen. Dort richtest du diese Funktionen ein. Wichtig dabei: Verwende zusätzlich einen Passcode mit mindestens sechs Ziffern, besser noch einen alphanumerischen Code mit Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen. Dieser Backup-Code kommt zum Einsatz, wenn die biometrische Erkennung nicht funktioniert – etwa nach einem Neustart oder wenn du eine Maske trägst.
Ein oft übersehener Tipp: In den Code-Einstellungen kannst du auch festlegen, nach wie vielen Minuten sich das iPad automatisch sperren soll. Je kürzer dieser Zeitraum, desto sicherer – auch wenn es etwas weniger komfortabel ist.
App-Tracking-Transparenz als Gamechanger
Mit iOS 14.5 hat Apple eine Revolution im Datenschutz eingeleitet: die App-Tracking-Transparenz. Diese Funktion zwingt Apps dazu, explizit um Erlaubnis zu fragen, bevor sie dein Verhalten über andere Apps und Websites hinweg verfolgen dürfen. Die Werbebranche war empört, Datenschutzexperten jubelten.
Du findest diese Einstellung unter Einstellungen, dann Datenschutz und Sicherheit, und dort unter Tracking. Dort kannst du Apps die Berechtigung zum Tracking pauschal verweigern oder für jede App einzeln entscheiden. Die meisten Nutzer kommen ohne dieses Tracking bestens zurecht – die Apps funktionieren weiterhin, nur die personalisierte Werbung wird weniger präzise.

Beim ersten Start neuer Apps wirst du künftig gefragt, ob du das Tracking erlauben möchtest. Die meisten Entwickler formulieren ihre Anfrage geschickt, um ein Ja zu erhalten. Doch in den meisten Fällen kannst du getrost auf App nicht verfolgen tippen, ohne Funktionseinbußen befürchten zu müssen.
Apple-ID mit Zwei-Faktor-Authentifizierung absichern
Deine Apple-ID ist der Schlüssel zu allem: iCloud, Einkäufe, persönliche Daten, Backups. Wird diese kompromittiert, haben Angreifer Zugriff auf deine gesamte digitale Identität. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung macht es Unbefugten nahezu unmöglich, auf dein Konto zuzugreifen, selbst wenn sie dein Passwort kennen.
Die Aktivierung erfolgt unter Einstellungen, wo du auf deinen Namen tippst, dann zu Passwort und Sicherheit gehst und dort Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivierst. Nach der Einrichtung benötigt jeder Anmeldeversuch von einem neuen Gerät zusätzlich einen sechsstelligen Code, der auf deinen vertrauenswürdigen Geräten angezeigt wird.
Apple sendet diesen Code an deine registrierten Geräte oder per SMS. Der entscheidende Vorteil: Selbst wenn jemand dein Passwort durch Phishing oder Datenlecks erbeutet, bleibt dein Konto geschützt. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung ist heute Standard und sollte auf keinem Gerät fehlen.
iCloud mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützen
Seit iOS 16.3 bietet Apple eine weitere wichtige Sicherheitsfunktion: die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für iCloud-Daten. Diese muss allerdings manuell aktiviert werden. Nach der Aktivierung kann selbst Apple nicht mehr auf die in der iCloud abgespeicherten Daten zugreifen – ein enormer Gewinn für deine Privatsphäre.
Diese Funktion findest du in den Einstellungen unter deinem Namen, dann iCloud und den erweiterten Datenschutzoptionen. Die Aktivierung erfordert, dass du mindestens ein vertrauenswürdiges Gerät oder einen Wiederherstellungskontakt einrichtest, damit du bei Verlust deines Passworts nicht dauerhaft von deinen Daten ausgeschlossen wirst.
Berechtigungen regelmäßig überprüfen
Apps fordern beim ersten Start häufig Zugriff auf Kamera, Mikrofon, Fotos oder Kontakte. Damals erschien die Anfrage vielleicht sinnvoll, doch nutzt du diese Funktion heute überhaupt noch? Eine regelmäßige Überprüfung der erteilten Berechtigungen ist goldwert für deine Privatsphäre.
Unter Einstellungen, dann Datenschutz und Sicherheit findest du separate Kategorien für Kamera, Mikrofon, Fotos, Kontakte und weitere sensible Bereiche. Ein Blick auf die Liste der Apps mit Kamera-Zugriff kann überraschend sein: Warum hat eine Shopping-App Zugriff auf die Kamera? Vielleicht für eine Produktsuche per Foto – doch brauchst du das wirklich?
Besonders interessant ist der Bereich Fotos. Hier kannst du seit neueren iOS-Versionen nicht nur den kompletten Zugriff erlauben oder verweigern, sondern auch nur ausgewählte Fotos für bestimmte Apps freigeben. So kann eine Social-Media-App nur auf die Bilder zugreifen, die du tatsächlich teilen möchtest, nicht auf deine gesamte Fotobibliothek.
Datenschutz als fortlaufender Prozess
Die Konfiguration dieser Einstellungen ist kein einmaliger Akt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Mit jedem iOS-Update kommen neue Funktionen hinzu, und mit jeder installierten App solltest du kritisch hinterfragen, welche Berechtigungen wirklich notwendig sind.
Ein monatlicher Datenschutz-Check lohnt sich: Scrolle durch deine Ortungsdienste, überprüfe App-Berechtigungen und schaue nach, ob neue Apps Tracking-Anfragen gestellt haben. Apple macht es dir einfach – unter Einstellungen, dann Datenschutz und Sicherheit erhältst du sogar einen Datenschutzbericht, der zeigt, wie oft Apps in den letzten sieben Tagen auf sensible Daten zugegriffen haben.
Wer diese Grundeinstellungen beherrscht und regelmäßig überprüft, verwandelt sein iPad von einem potenziellen Datenstaubsauger in ein Gerät, das Privatsphäre respektiert. Der Aufwand ist minimal, der Gewinn an Kontrolle über die eigenen Daten hingegen enorm. In einer Zeit, in der Daten als das neue Öl gelten, ist es nur klug, die eigenen Quellen zu schützen.
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