Dieser Trick auf Joghurtbechern lässt Sie doppelt so viel Zucker essen, wie Sie denken

Fruchtjoghurt gilt bei vielen Verbrauchern als gesunde Zwischenmahlzeit oder leichtes Frühstück. Die bunten Becher versprechen Vitamine, Calcium und natürlichen Fruchtgenuss. Doch ein genauer Blick auf die Nährwerttabelle offenbart eine unangenehme Wahrheit: Was als gesunde Alternative beworben wird, enthält häufig mehr Zucker als erwartet. Das eigentliche Problem liegt dabei nicht nur in der Menge des enthaltenen Zuckers, sondern vor allem in der Art und Weise, wie diese Information auf der Verpackung präsentiert wird.

Die Tücken der Portionsangaben

Hersteller nutzen einen geschickten Trick, um den Zuckergehalt ihrer Produkte harmloser erscheinen zu lassen: Sie beziehen die Nährwertangaben nicht auf den gesamten Becherinhalt, sondern auf eine willkürlich gewählte Portionsgröße. Während ein typischer Joghurtbecher 150 oder 200 Gramm enthält, finden sich auf vielen Etiketten Angaben für 100 Gramm oder sogar noch kleinere Mengen. Wer beim schnellen Einkauf nicht aufpasst, unterschätzt den tatsächlichen Zuckergehalt um die Hälfte oder mehr.

Ein Becher mit scheinbar moderaten 12 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthält bei 200 Gramm Gesamtinhalt plötzlich 24 Gramm Zucker. Das entspricht etwa acht Würfelzuckerstücken – deutlich mehr, als die meisten Verbraucher zu sich nehmen würden, wenn sie ihren Kaffee süßen. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt die Dimension: Ein 500-Gramm-Glas mit 12 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthält insgesamt 60 Gramm Zucker.

Der unsichtbare Unterschied zwischen Fruchtzucker und zugesetztem Zucker

Die Nährwerttabelle weist lediglich den Gesamtzuckergehalt aus. Eine Unterscheidung zwischen natürlich vorkommendem Fruchtzucker und industriell zugesetztem Zucker fehlt komplett. Diese Vermischung verschleiert das wahre Ausmaß der Zuckerzugabe erheblich. Naturjoghurt mit frischen Früchten enthält zwar auch Zucker, dieser stammt jedoch ausschließlich aus der Milch (Laktose) und den Früchten (Fruktose). Bei industriell hergestelltem Fruchtjoghurt kommen zusätzliche Mengen an zugesetztem Zucker hinzu.

Besonders perfide: Selbst Produkte mit der Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ können hohe Zuckerwerte aufweisen. Hier verwenden Hersteller Fruchtsaftkonzentrate oder Trockenfrüchte, die zwar technisch gesehen kein „zugesetzter Zucker“ sind, den Zuckergehalt aber dennoch erheblich steigern. Die Nährwerttabelle zeigt nur das Endergebnis, nicht aber die Herkunft des Zuckers. Oft findet sich lediglich der Hinweis „ohne Zuckerzusatz – enthält von Natur aus Zucker“, der für Verbraucher wenig aussagekräftig ist.

Versteckte Zuckerarten in der Zutatenliste

Während die Nährwerttabelle bereits Raum für Verwirrung bietet, setzt sich das Problem in der Zutatenliste fort. Zucker taucht dort unter zahlreichen Namen auf:

  • Glukosesirup und Invertzuckersirup
  • Dextrose und Maltodextrin
  • Saccharose und Maissirup

Durch die Verwendung verschiedener Zuckerarten gelingt es Herstellern, den Begriff „Zucker“ in der Zutatenliste weiter nach hinten zu verschieben, da die Zutaten nach Gewichtsanteil geordnet werden müssen. Ein Produkt könnte also beispielsweise Glukosesirup an vierter Stelle, Saccharose an sechster und Dextrose an achter Stelle führen. Würde man alle Zuckerarten zusammenrechnen, stünde Zucker möglicherweise an zweiter oder sogar erster Stelle. Für Durchschnittsverbraucher bleibt dieser Zusammenhang jedoch unsichtbar.

Wie viel Zucker steckt wirklich drin

Analysen von Gesundheitsbehörden zeigen ein differenziertes Bild: Der durchschnittliche Anteil an zugesetztem Zucker in Fruchtjoghurts liegt bei etwa 9 Gramm pro 100 Gramm, wobei die Spannbreite von 5,5 bis 17 Gramm reicht. Einige Produkte enthalten tatsächlich 11,5 bis 12 Gramm pro 100 Gramm, während besonders cremige Varianten auch höhere Werte erreichen können. Die Schwankungen sind erheblich, weshalb ein genauer Blick auf die Nährwerttabelle unverzichtbar ist.

Im Vergleich zu Softdrinks, die etwa 10 bis 11 Gramm Zucker pro 100 Milliliter aufweisen, liegen viele Fruchtjoghurts in einem ähnlichen Bereich oder darüber. Der Unterschied in der Wahrnehmung könnte kaum größer sein: Während Softdrinks allgemein als ungesund gelten, genießen Fruchtjoghurts nach wie vor einen gesundheitlichen Heiligenschein. Diese Diskrepanz zwischen Image und Realität macht Fruchtjoghurt zu einer unterschätzten Zuckerquelle im Supermarktregal.

Die Rolle der Referenzmenge

Auf vielen Verpackungen findet sich zusätzlich zur absoluten Zuckerangabe ein Prozentsatz, der sich auf die „Referenzmenge für die tägliche Zufuhr“ bezieht. Diese Angaben basieren auf einem durchschnittlichen Tagesbedarf von 2000 Kilokalorien. Für Zucker wird dabei ein Wert von etwa 90 Gramm als Referenz herangezogen.

Hier liegt das nächste Problem: Gesundheitsexperten empfehlen, nicht mehr als 25 bis maximal 50 Gramm freien Zucker pro Tag zu konsumieren. Die auf Verpackungen verwendeten Referenzwerte liegen deutlich darüber und suggerieren dadurch eine höhere Unbedenklichkeit. Ein Fruchtjoghurt mit 24 Gramm Zucker deckt nach gesundheitlichen Empfehlungen bereits fast den gesamten Tagesbedarf, laut Verpackungsangabe aber oft nur etwa 25 Prozent der Referenzmenge.

Wie Verbraucher sich schützen können

Trotz aller Irreführungen gibt es Möglichkeiten, sich vor versteckten Zuckerfallen zu schützen. Der erste Schritt besteht darin, die Nährwerttabelle immer auf die tatsächlich verzehrte Menge umzurechnen. Wer einen 200-Gramm-Becher isst, muss die Angaben für 100 Gramm verdoppeln. Diese einfache Rechnung offenbart bereits viele Täuschungen.

Noch aufschlussreicher ist der Vergleich mit Naturjoghurt. Ein ungesüßter Naturjoghurt enthält etwa 4 bis 5 Gramm Zucker pro 100 Gramm – das ist der natürliche Milchzuckergehalt in Form von Laktose. Konkrete Messungen zeigen beispielsweise Laktosewerte von etwa 2,5 Gramm pro 100 Gramm in Joghurtprodukten. Alles, was deutlich darüber liegt, wurde hinzugefügt, sei es direkt als Zucker oder indirekt über stark gesüßte Fruchtzubereitungen. Bei einem Fruchtjoghurt mit 14 Gramm Gesamtzucker pro 100 Gramm können Verbraucher also von etwa 9 bis 10 Gramm zugesetztem Zucker ausgehen.

Die bessere Alternative

Die gesündeste und transparenteste Lösung besteht darin, Naturjoghurt selbst mit frischen Früchten zu mischen. So behält man die volle Kontrolle über den Zuckergehalt und profitiert gleichzeitig von echten Vitaminen und Ballaststoffen aus ganzen Früchten statt aus Fruchtkonzentraten. Eine Handvoll Beeren oder Apfelstücke liefert Süße und Geschmack, ohne die Zuckermenge explodieren zu lassen.

Wer dennoch zu fertigem Fruchtjoghurt greift, sollte die Zutatenliste genau studieren. Produkte, bei denen echte Früchte vor den verschiedenen Zuckerarten aufgeführt sind, verdienen den Vorzug. Auch der Fruchtanteil wird manchmal angegeben – hier gilt: Je höher, desto besser. Produkte mit durchschnittlich 9 Gramm zugesetztem Zucker pro 100 Gramm oder weniger sind eine bessere Wahl als solche am oberen Ende der Skala.

Was sich ändern muss

Verbraucherschützer fordern seit Jahren eine verpflichtende Kennzeichnung, die zugesetzten Zucker separat ausweist. Andere Länder haben bereits strengere Regelungen eingeführt, darunter Ampelkennzeichnungen oder Warnhinweise bei hohem Zuckergehalt. Solange diese Maßnahmen fehlen, liegt die Verantwortung beim einzelnen Verbraucher, sich die notwendigen Informationen mühsam zusammenzusuchen.

Die aktuellen Kennzeichnungsvorschriften bieten der Industrie zu viel Spielraum für irreführende Darstellungen. Verbraucher, die sich gesund ernähren möchten, werden durch unklare Angaben verwirrt, wenn Produkte mit Gesundheitsversprechen beworben werden, deren tatsächliche Nährwerte ein anderes Bild zeichnen. Fruchtjoghurt mag lecker sein und gehört für viele zum täglichen Speiseplan. Doch der informierte Konsum erfordert einen kritischen Blick auf die Nährwerttabelle und das Bewusstsein für die Tricks der Hersteller. Wer diese durchschaut, kann bewusste Entscheidungen treffen und vermeidet, täglich unbemerkt übermäßige Zuckermengen zu konsumieren.

Wie viel Zucker steckt in deinem Fruchtjoghurt?
Keine Ahnung ehrlich gesagt
Unter 10 Gramm pro Becher
10 bis 20 Gramm schätze ich
Mehr als 20 Gramm vermutlich
Ich esse nur Naturjoghurt

Schreibe einen Kommentar