Während der Februar in vielen europäischen Städten grau und ungemütlich erscheint, offenbart sich Segovia als strahlende Ausnahme – eine kastilische Perle, die gerade jetzt ihre ruhigste und authentischste Seite zeigt. Die winterliche Klarheit taucht das UNESCO-Weltkulturerbe in ein besonderes Licht, das die honigfarbenen Sandsteinfassaden zum Leuchten bringt und die Silhouette des märchenhaften Alcázar gegen den oft tiefblauen Himmel abhebt. Für Reisende über 50, die ein Wochenende voller Geschichte, Kultur und kulinarischer Entdeckungen suchen, bietet diese kompakte Stadt alles, was das Herz begehrt – und das zu Preisen, die das Reisebudget schonen.
Warum Segovia im Februar besonders reizvoll ist
Der Februar beschert Segovia eine besondere Atmosphäre. Die Touristenströme des Sommers sind fern, die Einheimischen haben ihre Stadt zurückerobert, und die kühleren Temperaturen – meist zwischen 2 und 10 Grad – machen ausgedehnte Spaziergänge durch die kopfsteingepflasterten Gassen angenehm. Die klare Winterluft sorgt für spektakuläre Ausblicke auf die Sierra de Guadarrama, deren schneebedeckte Gipfel die Stadt umrahmen. Zudem sind die Unterkünfte deutlich günstiger als in der Hochsaison, und in den traditionellen Mesones findet man immer einen Platz am warmen Kamin.
Die überschaubare Größe Segovias ist ideal für ein entspanntes Wochenende. Alles Wesentliche liegt fußläufig erreichbar, und das gemächliche Tempo entspricht perfekt dem Bedürfnis nach einer Auszeit ohne Hektik. Die Stadt lässt sich in aller Ruhe erkunden, ohne dass man das Gefühl hat, etwas zu verpassen.
Das römische Meisterwerk und die Altstadt
Das Aquädukt von Segovia ist nicht einfach nur ein Monument – es ist eine Zeitmaschine. Diese 728 Meter lange Konstruktion aus grob behauenen Granitblöcken, die ohne einen Tropfen Mörtel aneinandergereiht wurden, erhebt sich bis zu 28 Meter über der Plaza del Azoguejo. Am frühen Morgen, wenn die Sonne die ersten Strahlen durch die Bögen wirft und nur wenige Menschen unterwegs sind, entfaltet sich die ganze Magie dieser römischen Ingenieurskunst aus dem ersten Jahrhundert.
Von hier aus führt der natürliche Weg hinauf zur Plaza Mayor, dem pulsierenden Herzen der Stadt. Umgeben von Arkadengängen und dominiert von der spätgotischen Kathedrale, bietet dieser Platz die perfekte Kulisse für eine Kaffeepause in einem der traditionellen Cafés. Der Eintritt in die Kathedrale kostet etwa 3 Euro, und der Aufstieg auf den Turm – für weitere 5 Euro – belohnt mit einem Panoramablick, der jeden Schritt wert ist.
Versteckte Winkel der mittelalterlichen Stadt
Abseits der Hauptrouten offenbart Segovia seine intimsten Schätze. Die Judería, das ehemalige jüdische Viertel, ist ein Labyrinth enger Gassen, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Hier findet man kleine romanische Kirchen wie San Millán und San Martín, deren Eintritte entweder kostenlos oder für symbolische Beträge zu haben sind. Die mittelalterliche Stadtmauer lässt sich stellenweise entlangspazieren und bietet immer wieder überraschende Ausblicke auf das Umland.
Der Jardín de los Poetas, ein versteckter Garten am Rande der Altstadt, ist ein Ort der Ruhe mit Skulpturen spanischer Dichter. Im Februar mag es zu kühl sein, um lange zu verweilen, aber die Aussicht auf die Ebene und die fernen Berge ist bemerkenswert.
Der Alcázar: Disneys Inspiration
Am westlichen Ende des Altstadthügels thront der Alcázar, dessen Silhouette Walt Disney als Vorlage für seine Märchenschlösser diente. Die strategische Lage am Zusammenfluss zweier Flüsse machte diesen Ort seit keltiberischer Zeit bedeutsam. Der Eintritt kostet etwa 6 Euro, und für zusätzliche 3 Euro kann man den Torre de Juan II erklimmen – 156 Stufen, die sich lohnen.
Im Inneren erwarten Besucher prachtvolle Säle mit mudéjarischen Holzdecken, Waffensammlungen und reich verzierte Thronsäle. Die Geschichten, die diese Mauern erzählen – von Isabella der Katholischen bis zu den habsburgischen Königen – sind faszinierend. Plant mindestens anderthalb Stunden für den Besuch ein.
Kulinarische Entdeckungen für den kleineren Geldbeutel
Segovia ist berühmt für Cochinillo, das Spanferkel, doch die kastilische Küche hat weit mehr zu bieten. Im Februar sind deftige Eintöpfe wie Judiones de la Granja – große weiße Bohnen mit Chorizo und Speck – oder Sopa Castellana genau das Richtige, um sich von innen zu wärmen.

Statt in die teuren Touristenlokale rund um das Aquädukt zu gehen, empfiehlt sich ein Abstecher in die Viertel etwas außerhalb des Zentrums. Dort findet man traditionelle Tavernen, in denen ein mehrgängiges Menü des Tages zwischen 12 und 15 Euro kostet – inklusive Wein, Brot und Dessert. Die Portionen sind großzügig, und die Atmosphäre ist authentisch.
Für ein schnelles Mittagessen bieten sich Bocadillos an, belegte Brote mit regionalen Wurstwaren oder Tortilla, die in Bäckereien für 3 bis 5 Euro erhältlich sind. Der lokale Markt in der Nähe der Plaza Mayor ist perfekt, um frisches Obst, Käse und andere Spezialitäten für ein Picknick zu kaufen – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.
Praktische Tipps für die Fortbewegung
Die Anreise nach Segovia gestaltet sich denkbar einfach. Von Madrid aus verkehren regelmäßig Busse, die etwa 1,5 Stunden benötigen und zwischen 8 und 12 Euro kosten. Der Hochgeschwindigkeitszug braucht nur 27 Minuten, kostet allerdings 12 bis 20 Euro, und der Bahnhof liegt außerhalb der Stadt, sodass ein zusätzlicher Bus ins Zentrum nötig ist (etwa 2 Euro).
Innerhalb Segovias ist alles zu Fuß erreichbar. Die Stadt ist kompakt, und gerade für Reisende, die es nicht eilig haben, ist das Gehen die beste Art, die vielen Details zu entdecken. Bequeme Schuhe mit rutschfesten Sohlen sind allerdings ein Muss – die Kopfsteinpflaster können bei Nässe glatt sein.
Für Ausflüge ins Umland, etwa zum nahe gelegenen La Granja mit seinem beeindruckenden Königspalast und den Gärten, verkehren Busse mehrmals täglich für etwa 2 Euro pro Strecke.
Unterkunft ohne Luxus, aber mit Charakter
Im Februar sinken die Übernachtungspreise deutlich. Einfache, aber saubere Pensionen im Zentrum oder knapp außerhalb der Stadtmauern bieten Doppelzimmer ab etwa 40 Euro pro Nacht. Viele dieser Unterkünfte befinden sich in historischen Gebäuden mit dicken Steinmauern und traditionellem Flair.
Wer bereit ist, zehn Minuten vom Zentrum entfernt zu übernachten, findet noch günstigere Optionen ab 30 Euro. Die meisten Pensionen bieten kein Frühstück an, aber in den zahlreichen Cafés der Stadt kostet ein café con leche mit tostada (geröstetes Brot mit Tomate und Olivenöl) selten mehr als 3 Euro.
Insider-Tipps für Sparfüchse
Mehrere Kirchen und kleine Museen haben an bestimmten Tagen freien Eintritt oder verlangen nur freiwillige Spenden. Das Museo de Segovia kostet beispielsweise nur 1 Euro und bietet faszinierende Einblicke in die Geschichte der Region von der Prähistorie bis zur Moderne.
Die beste Zeit für Fotos am Aquädukt ist früh am Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang, wenn das Licht die Steine golden färbt. Vom Mirador de la Pradera de San Marcos, einem Aussichtspunkt unterhalb der Altstadt, ergibt sich die klassische Postkarten-Perspektive auf den Alcázar – kostenlos und spektakulär.
Ein Spaziergang entlang des Flusses Eresma führt durch eine überraschend grüne Landschaft mit Blick auf die Altstadt von unten. Dieser Weg ist bei Einheimischen beliebt, aber von Touristen kaum frequentiert.
Die richtige Kleidung für Februar
Segovia liegt auf über 1000 Metern Höhe, und der Februar kann kühl sein. Mehrere Schichten sind die beste Strategie: ein warmer Pullover oder eine leichte Daunenjacke, dazu Schal und Handschuhe für die Morgen- und Abendstunden. Die Mittagssonne kann überraschend warm sein, sodass man auch leichtere Kleidung dabeihaben sollte. Wasserdichte Schuhe sind ratsam, da gelegentliche Regenschauer möglich sind.
Die Kirchen und Museen sind oft kühl, während die traditionellen Restaurants mit ihren Kaminen mollig warm sein können. Flexibilität bei der Kleidung macht den Unterschied zwischen Komfort und Frösteln aus.
Was dieses Wochenende besonders macht
Segovia im Februar bietet eine seltene Kombination: eine der geschichtsträchtigsten Städte Spaniens in ihrer ruhigsten Phase, zu Preisen, die deutlich unter denen der Hochsaison liegen, und mit einer Atmosphäre, die authentischer nicht sein könnte. Für Reisende über 50, die Wert auf Kultur, Geschichte und gutes Essen legen, ohne dabei ihr Budget zu sprengen, ist dieses Wochenende eine Bereicherung. Die Langsamkeit, mit der sich Segovia erschließt, ist kein Nachteil, sondern genau das, was diese Stadt so besonders macht – eine Einladung, innezuhalten und zu genießen, was Jahrhunderte europäischer Geschichte hinterlassen haben.
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